Wie sieht es kurz vor den Deutschen Meisterschaften mit Mannschaften aus, die am Samstag und Sonntag um die Deutsche Meisterschaft kämpfen werden?

Einmal mehr ist Sönke Spille für die DFBL dieser Frage nachgegangen und hat die sechs Frauen und Männerteams kritisch unter die Lupe genommen.
Seine Einschätzung der jeweiligen Mannschaften hat er auf der Homepage der “DFBL” veröffentlicht:


 DM in Kellinghusen: Die Frauen im Teamcheck

> WER LIEGT SICH 2019 JUBELND IN DEN ARMEN? FÜNF TEAMS TRETEN IN KELLINGHUSEN GEGEN TITELVERTEIDIGER TSV DENNACH (BILD) AN. (FOTO: DFBL/SCHÖNWANDT)

Kellinghusen (DFBL/ssp). Europameisterschaften, Weltmeisterschaft: Nachdem die Wettbewerbe der Nationalmannschaften für diesen Sommer abgeschlossen sind, greifen nun noch einmal die deutschen Vereinsmannschaften bei ihren Titelkämpfen an. In Kellinghusen findet an diesem Wochenende die Deutsche Meisterschaft der Männer und Frauen statt. Im Vorfeld der Veranstaltung hat Stadionsprecher Sönke Spille – wie gewohnt – die Mannschaften im Frauen-Wettbewerb genau unter die Lupe genommen.

Quali-Spiel 1: Ahlhorner SV – TV Segnitz

Geballte DM-Erfahrung trifft auf jede Menge DM-Neulinge. Das erste Duell bei der Deutschen Meisterschaft in Kellinghusen verspricht dennoch jede Menge Spannung. Spannung, die den ASV und den TVS bereits in der abgelaufenen Bundesliga-Saison begleiteten.

Spannung am letzten Spieltag

Bei beiden Mannschaften entschied der letzte Spieltag über die Qualifikation. Ahlhorn lieferte sich dabei ein Fern-Duell mit Landkreis-Rivale TV Brettorf. Am Ende waren beide Teams punkt- und satzgleich. Da der ASV über die 16 Saisonspiele aber zwei Sätze mehr gewonnen hatte als die Brettorferinnen, konnte das Team von Trainerin Edda Meiners die Fahrt nach Schleswig-Holstein planen. „Die Freude über die Qualifikation war riesig“, berichtet Abwehrspielerin Sarah Reinecke. „Wir haben bangend vor unseren Handys auf das Ergebnis aus Kellinghusen gewartet.“ Beim Doppelspieltag habe die Mannschaft nicht ihre Leistung abrufen können und wichtige Punkte liegen gelassen. „Damit es am Ende doch gereicht hat, war bestimmt auch etwas Glück im Spiel“, so Reinecke.
Fast noch packender verlief das Duell zwischen dem TV Segnitz und dem TV Unterhaugstett. Am letzten Spieltag trafen sie direkt aufeinander. Der Sieger der Partie, das stand fest, konnte sein Hotel für Kellinghusen buchen. „Uns war bereits vor dem Spiel klar, dass es ein sehr enges Duell wird“, sagt Helen Gernet. Mit einem 2:2 ging es gegen den TVU in den Entscheidungssatz, beim Stand von 14:14 erzielten die Bayern den entscheidenden letzten Punkt. „Wir hatten am Ende das kleine bisschen mehr Glück“, resümiert die Segnitzer Abwehrspielerin. „Aufgrund der Anspannung vor und während des Spiels war die Erleichterung und Freude nach dem knappen Sieg sehr groß.“

Die „Neuen“ im Team

Bei beiden Mannschaften gab es vor dem Saisonstart Neuzugänge. Zum TVS stießen mit Antonia Fuchs und Nationalspielerin Svenja Schröder vom TV Eibach zwei Spielerinnen, die bereits ein wenig DM-Erfahrung haben. „Für den Rest von uns ist es die DM-Premiere“, erklärt Helen Gernet. „Uns zeichnet vor allem die Motivation aus, die jeder einzelne hat.“ Gerade einmal drei Spielerinnen würden derzeit in Segnitz wohnen. Daher müsse sich jeder selbstständig fit halten. „Trotz der Entfernung von Svenja und Toni aus Eibach und Ursina Sagstetter aus Schweinfurt, haben wir versucht, so oft es geht etwas zusammen zu unternehmen“, so Gernet.
Die Ahlhornerinnen haben zur Feldsaison mit Michaela Grzywatz ebenfalls die Verpflichtung einer Nationalspielerin vermeldet. „Menschlich sowie spielerisch hat Michi sich super in das Team integriert“, lobt Sarah Reinecke ihre neue Nebenspielerin in der Defensive. „Durch ihre Schnelligkeit erreicht sie Bälle, die manche vielleicht schon abschreiben. Das ist auf jeden Fall ihre große Stärke.“

Vorbereitung auf die DM

Zwischen dem letzten Spieltag in der Bundesliga-Saison und der Deutschen Meisterschaft liegen bei beiden Mannschaften insgesamt zwei Monate. Für den ASV stand in der Zwischenzeit dabei der Europapokal im österreichischen Laakirchen auf dem Programm, von dem die Blau-Weißen mit der Bronzemedaille heimkehrten. „Danach haben wir eine kurze Regenerationspause eingelegt“, berichtet Sarah Reinecke. Im Anschluss stand dann das normale Mannschaftstraining auf dem Programm. „Dabei wurden wir mehrfach von unseren Männern und der männlichen Jugend unterstützt“, sagt die Ahlhornerin. In der letzten Woche lieferte sich der ASV noch mit dem SV Moslesfehn ein Trainingsspiel.
Auch der TV Segnitz bereitete sich mit einem Sparringspartner – den Männer 55 aus dem Verein – auf die nationalen Titelkämpfen vor. „In der Vorbereitung hat jeder von uns nochmal an seinen Schwächen, egal ob spielerisch oder mental, gearbeitet“, verrät Helen Gernet. „Die Männer haben uns immer tatkräftig unterstützt.“

Das Aufeinandertreffen

„Segnitz wird sicherlich nichts zu verlieren“, warnt ASV-Spielerin Sarah Reinecke vor dem DM-Neuling. „Svenja Schröder gehört zu den besten Angreiferinnen Deutschlands und wir haben weder gegen sie noch das Team bisher gespielt.“ Einzig über den Stream bei der Frauen-Europameisterschaft habe man sich ihre Schläge angeschaut, „ob uns das dann vor Ort helfen wird, werden wir sehen“, so Reinecke.
Ähnlich groß ist der Respekt bei den Segnitzerinnen. Helen Gernet: „Ahlhorn schätzen wir als starken Gegner ein, vorallem da sie schon einiges an DM-Erfahrung mitbringen. Für uns als Neuling ist es wichtig, unsere beste Leistung abrufen zu können – alles andere lassen wir auf uns zukommen.“


Quali-Spiel 2: TSV Dennach – VfL Kellinghusen

Titelverteidiger gegen DM-Ausrichter heißt es im zweiten Quali-Spiel der Frauen. Der TSV Dennach dürfte im Duell Nord gegen Süd dabei als Favorit in die Begegnung gehen.

Schwieriger Saisonverlauf

So richtig zufrieden mit der abgeschlossenen Bundesliga-Saison sind beide Teams nicht. Der VfL Kellinghusen befand sich – nach dem Deutschen Vizemeistertitel in der Halle – auf dem Feld schnell auf dem Boden der Tatsachen wieder. „Der Vize-Titel war ein riesiger Erfolg, aber wir wussten bereits vor der Saison, dass es eine schwierige Spielzeit wird“, gesteht Anika Bruhn. Einige Spielerinnen hätten sich in den Abschlussprüfungen ihrer Ausbildungen befunden. „Dazu waren beide Angreiferinnen in der Vorbereitung verletzt und konnten erst eine Woche vor dem Start eingreifen.“Auch in der Saison habe das Team von Trainer Rouven Kadgien mit Verletzungssorgen zu kämpfen gehabt. „Wir haben versucht das Beste daraus zu machen“, sagt die Angreiferin vom Liga-Sechsten.
Auch der TSV Dennach trat in dieser Saison selten in Bestbesetzung an und kassierte im Verlauf drei Bundesliga-Niederlagen. „Wir waren fast nie mit dem vollständigen Kader untewegs und vielleicht hat deshalb auch die eine oder andere Option gefehlt“, vermutet Anna-Lisa Aldinger. „Allerdings war es toll, so auch die jungen Spielerinnen etwas mehr in das Ligageschehen heranzuführen.“ Und spätestens beim Europapokal-Triumph in Laakirchen bewies der TSV dann sein Können. „Diesen Schwung müssen wir auch für die DM finden“, so Aldinger.

Vorbereitung auf die DM

„Wir haben nochmal versucht uns in der Mannschaft ein gemeinsames Ziel zu setzen, uns zu motivieren und so versucht, das Training abzustimmen“, berichtet Anna-Lisa Aldinger von der Vorbereitung des Titelverteidigers auf die nationalen Titelkämpfen. Besonders an der Abstimmung im Team, das Zusammenspiel und die eigenen Stärken wurde dabei gearbeitet.
In Kellinghusen setzte man derweil drei Trainingseinheiten in jeder Woche an. „Dazu hat jeder individuell noch etwas getan“, sagt Anika Bruhn. Die Obersee Masters in Jona nutzte der DM-Gastgeber dazu als Vorbereitung und belegte hinter Union Nussbach den zweiten Platz. Dazu waren die Spielerinnen auch bei den DM-Vorbereitungen involviert. Bruhn: „Jeder hat seine Aufgaben übernommen. Wir wollen allen Mannschaften und Besuchern eine tolle Veranstaltung bieten. Deshalb steht in dieser Woche der ganze Aufbau und letzte Feinschliff auf der VfL-Anlage an.“

Das Aufeinandertreffen

Das letzte DM-Duell der beiden Teams liegt gerade einmal ein Jahr zurück. Im Halbfinale in Ahlhorn setzte sich der späteren Deutsche Meister aus Dennach souverän durch. „Man darf sie mit ihren Trainern aber nie unterschätzen“, warnt TSV-Spielerin Anna-Lisa Aldinger. „Vor heimischer Kulisse werden sie natürlich alles geben und bekommen noch einmal ordentlich Rückendeckung.“ Das wichtigste sei deshalb, selbst in die DM zu finden und das eigene Spiel zu spielen.
Gegenspielerin Anika Bruhn vom VfL erwartet den „schwerstmöglichen Gegner“: „Dennach spielt seit Jahren auf einem extrem hohen Niveau aber im Sport hat man immer eine Chance“, sagt sie. Man müsse aber die bestmögliche Tagesform erreichen, um Dennach in Gefahr zu bringen. „Wir wollen uns zu Hause aber nicht verstecken“, so Bruhn.


Die DM-Halbfinalisten: TSV Calw & TV Jahn Schneverdingen

Die Quali-Spiele aufmerksam verfolgen werden der TSV Calw und der TV Jahn Schneverdingen. Mit dem ersten Platz im Süden und Norden sind sie bereits für das Halbfinale qualifiziert.

Gegen Konkurrenz behauptet

Eine Niederlage aus 16 Spielen – für den TV Jahn Schneverdingen verlief die abgelaufene Bundesliga-Saison zumindest von den Ergebnissen her zufriedenstellend. So marschierte der bereits vor der Saison favorisierte TV Jahn  zu Platz eins in der Nordstaffel. „Ich denke, dass bei uns mittlerweile nicht mehr so der Druck von außen entscheidend ist, sondern eher die eigenen Erwartungen an sich selbst“, zeigt sich Hinrike Seitz dennoch nicht ganz zufrieden. „Wir freuen uns, als Nordmeister bereits für das Halbfinale gesetzt zu sein. Wenn wir jedoch die eigene Leistung im Vergleich zu unserem Potenzial betrachten, haben wir selten unsere Bestleistung abgerufen.“ Wie schon in den vergangenen Feld-Spielzeiten konnten die Heidschnucken im Angriff auf Aniko Müller zurückgreifen, in der Abwehr stieß Nationalspielerin Annika Bösch zum Team. „Durch die Knieverletzung von Theresa Schröder gleich zu Beginn der Saison, waren wir direkt auf Annika als Spielerin angewiesen“, sagt Seitz. So konnte sie schnell ins Team integriert werden.
Der TSV Calw, Ex-Verein von Annika Bösch, machte es in der Bundesliga-Süd derweil noch etwas besser. Ohne Niederlage und nur sieben abgegebenen Sätzen marschierte der Deutschen Hallenmeister durch die Spielzeit. Von einer perfekten Saison will Angreiferin Steffi Dannecker aber nicht sprechen – zumindest noch nicht. „Um das wirklich machen zu können, gehört da noch der Meistertitel zu“, sagt sie und betont: „Luft nach oben gibt es immer und in jeder Situation. Ich muss aber sagen, dass die Saison bisher unsere stärkste war und ich hoffe, wir können das auch an der Deutschen Meisterschaft zeigen.“

Die DM-Vorbereitung

Die zwei Monate DM-Vorbereitung wurden beim TV Jahn Schneverdingen intensiv genutzt. „Wir haben während der spielfreien Zeit versucht, unsere Kondition oben zu halten“, verrät Hinrike Seitz. Zudem hatten viele von uns bei dem Europapokal, der EM und diversen Jugendauswahllehrgängen noch weitere Saisonhöhepunkte, für die es zu trainieren galt. So hat jeder an seinen eigenen Schwerpunkten gearbeitet.“
Beim TSV Calw wurde nach dem letzten Bundesliga-Spieltag eine zweiwöchige Pause gemacht, um „wieder heiß auf den Ball zu sein“, wie Steffi Dannecker betont. Anschließend wurden einige Turniere gespielt und viel Fitnesstraining mit Physiotherapeut Philipp Löwe gemacht. „Alle sind fit“, so Dannecker.

Die Ziele bei der DM

2016 und 2017 gewann der TV Jahn Schneverdingen den Deutschen Meistertitel auf dem Feld, musste sich im vergangenen Jahr dann mit der Bronzemedaille begnügen. „Selbstverständlich reist man zur DM mit gewissen Zielen und es wäre gelogen, wenn ich sage, mir reicht eine Medaillenplatzierung“, gesteht Hinrike Seitz. „Dafür sind unsere Ansprüche an uns selbst zu hoch.“ Sie sehe das Wochenende aber auch realistisch. „Ich weiß, wie schnell man auf der DM ein Spiel verlieren kann. Dafür sind die Mannschaften einfach zu gut, als dass es einen selbstverständlichen Sieg geben würde.“ Deshalb zähle auch für das Halbfinale gegen den Sieger der Partie zwischen Dennach und Kellinghusen, von Beginn an die Bestleistung abzurufen.
Ähnliche Ambitionen haben die Calwerinnen – zumal es bei ihnen in der Halle, nach 17 Anläufen in Folge, endlich mit dem DM-Titel geklappt hat. „Für mich sind die Halle und Feld aber sehr getrennt voneinander zu betrachten und irgendwie nicht ganz vergleichbar“, will Steffi Dannecker nicht zu viel Erwartungsdruck schüren. Im Halbfinale wartet der Sieger der Partie Ahlhorn gegen Segnitz. „Der Ahlhorner SV ist sehr erfahren und gefühlt seit Jahrzehnten schon sehr erfolgreich auf Deutschen Meisterschaften vertreten. Der TV Segnitz ist nun das erste Mal auf so einem Event dabei. Beide Teams dürfen wir nicht unterschätzen – könnten aber kaum unterschiedlicher sein. Man müsse sehr konzentriert und fokussiert in das Spielen gehen. „Wir dürfen zu keinem Zeitpunkt nachlassen“, so Dannecker. Auch auf dem Feld, am Ende der nationalen Titelkämpfe, ganz oben auf dem Podest zu jubeln wäre für die Calwer Löwinnen aber ein Traum. Dannecker: „Wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber man weiß nie, was an so einem DM-Wochenende alles passiert.“


DM in Kellinghusen: Die Männer im Teamcheck

> AUCH 2019 MIT DEM TSV PFUNGSTADT DER GROSSE FAVORIT AUF DEN DM-TITEL: JOHANNES JUNGCLAUSSEN (FOTO: DFBL/SCHÖNWANDT

Kellinghusen (DFBL/aga/ssp). Nach der WM ist vor der DM: Mit Patrick und Sebastian Thomas, Ajith Fernando, Jonas Schröter (alle TSV Pfungstadt), Fabian Sagstetter (TV Schweinfurt-Oberndorf) und Lukas Schubert (VfK Berlin) sind sechs WM-Helden auch bei der Deutschen Meisterschaft der Männer im Einsatz und kämpfen am kommenden Wochenende um die nationale Krone. Trotzdem ist diese Deutsche Meisterschaft auch für die erfahrenen Nationalspieler etwas Besonderes.

Zeitgleich findet auf dem Gelände des VfL Kellinghusen auch die Deutsche Meisterschaft der männlichen und weiblichen U12 statt. „Auch wenn es organisatorisch sicherlich eine Herausforderung wird, ist es eine super Sache“, sagt Pfungstadts Zuspieler Sebastian Thomas. Und Raphael Schlattinger, Schweizer Nationalspieler im Dienste des TSV Calw, ergänzt: „Dadurch werden vielleicht noch mehr Zuschauer den Weg an den Centre Court finden und eine große Kulisse bilden.“

Andreas Gruber und Sönke Spille haben alle wichtigen Infos zu den sechs Männer-Mannschaften zusammengestellt.

TSV Pfungstadt (1. Süd)

Sie sind die Gejagten, der große Favorit: Bei der Titelvergabe führt wahrscheinlich kein Weg am TSV Pfungstadt vorbei. Der Kader ist seit Jahren mehr als erstklassig besetzt, auch wenn Abwehrspieler Andrew Fernando seine Zelte in Pfungstadt abgebrochen hat. Mit Patrick und Sebastian Thomas, Ajith Fernando sowie Jonas Schröter stehen gleich vier aktuelle Weltmeister in den Reihen des TSV – Johannes Jungclaussen komplettiert die Starting Five als U21-Europameister. Alexander Schmidt und Tim Arnold ergänzen das Who is Who des deutschen Faustballs. „Die DM-Quali war natürlich unser Ziel“, sagt Sebastian Thomas, der mit seinem Team – nach dem Europacup-Sieg in Diepoldsau (Halle) und Pfungstadt (Feld) und der Hallen-DM in Mannheim den vierten Vereinstitel in 2019 im Visier hat. „Selbstverständlich möchten wir wieder ins Finale einziehen“, sagt Thomas. Die Hessen legten nach der WM derweil eine Trainingspause ein. „Die Belastung während der einwöchigen Weltmeisterschaft sowohl physisch als auch psychisch sowie die intensive Vorbereitungen der Wochen und Monate davor haben definitiv Spuren hinterlassen“, erklärt der Pfungstädter Zuspieler. Erst in der DM-Woche wurden noch einmal zwei lockere Trainingseinheien absolviert. Mit diesen soll nun der nächste DM-Titel in Angriff genommen werden. Thomas: „Ich tippe auf eine Neuauflage des letztjährigen Finals zwischen dem VfK Berlin und uns. Und auch Calw traue ich definitiv wieder eine Medaille zu.“

TV Schweinfurt-Oberndorf (2. Süd)

Als Saisonziel hatten sich die Bayern die Qualifikation zur DM ausgegeben – die kann auf der To-Do-Liste nun abgehakt werden. Dreh- und Angelpunkt des TVO ist Kapitän Fabian Sagstetter, der nach der DM eine Faustball-Pause einlegen wird und als Libero in der kommenden Hallenrunde in der Volleyball-Bundesliga aufschlagen wird. In der Offensive zieht Oliver Bauer die Fäden und verfügt über einen äußerst harten und unbequemen Schlag, er wird schon aus der Angabe heraus den Gegner extrem beschäftigen und mürbe machen. Maximilian Lutz gibt vorne Rechts den defensiven Part und räumt alles ab was geht. In der Abwehr stehen Jaro Jungclausen, Janne und Johann Habenstein sowie Florian Dworazeck zur Verfügung. Auch im Angriff stehen mit Nicolas Bitsch und Robin Göttert weitere Alternative parat.
Anfang Juli konnte sich der TVO dann noch mit internationalen Meriten schmücken. Beim European Cup (ehemals IFA-Pokal) in Kleindöttingen errang das Team den dritten Platz. Einen Rang besser kam der TVO in der Liga ein. „Wir haben insgesamt eine gute Saison gespielt“, resümiert Fabian Sagstetter. „Wir haben alle direkten Konkurrenten auswärts geschlagen.“ Mit dem VfL Kellinghusen hat der TVO wohl die denkbar leichtere Aufgabe der beiden Qualifikationsspiele vor der Brust. Aber unterschätzen sollten der TVO, der in den vergangenen Jahren zweimal am TV Voerde im Quali-Spiel scheiterte, den VfL nicht. „Wir haben in der Vorbereitung das Balltraining noch einmal intensiviert“, berichtet Fabian Sagstetter. „Wir haben an den Wochenenden gemeinsam trainiert, hatten aber keine Testspiele. Der Fokus liegt voll und ganz auf dem Quali-Spiel gegen Kellinghusen.“ Der VfL kennt sein Anlage bestens und wird sicher auch durch jede Menge Fans unterstützt – der TVO will sich davon aber nicht auf dem Weg ins DM-Halbfinale abbringen lassen.

TSV Calw (3. Süd)

Es war sicherlich der größte Erfolg des Calwer Männer-Faustballs: In Ahlhorn jubelte der TSV bei der DM über die Bronzemedaille. Doch nach dem Abgang von Bernd Bodler zum Ende der Hallenrunde mussten sich die Schwaben im Angriff ein wenig umstellen. Das gelang mit Platz drei gut. Angeführt wird das Team von Raphael Schlattinger. Der Schweizer ist die ultimative Waffe im Angriff. Ihm zur Seite steht Dennis Gruber, der nach seiner Schulter-Operation langsam seine Schlaghärte zurückgewinnt und mit seiner Ruhe und Abgeklärtheit dem jungen zusätzliche Stabilität verleiht. Damit gelang beim European Cup in Kleindöttingen sogar der Titelgewinn – der erste eines deutschen Teams seit 2007. In der Abwehrschaltzentrale steht Nick Stoll, der von Lukas Gruner und Philipp Kübler flankiert wird. Mit Matthias Zierer, Nico Stoll und Leandra Schmidberger stehen weitere Backups bereits und können ohne Verlustpotenzial jederzeit in das Spielgeschehen eingreifen.
Einen Dämpfer erhielt die Truppe aus der Hessestadt aber am letzten Spieltag der Bundesliga-Süd. Trotz 3:0-Führung zog man im Kampf um den zweiten Tabellenplatz gegen Schweinfurt-Oberndorf. Im Quali-Spiel wartet somit der TSV Hagen 1860. „Wir haben noch nie gegen Hagen gespielt und die Videoanalyse fiel spärlich aus“, sagt Angreifer Raphael Schlattinger. „Wir freuen uns einfach gegen sie zu spielen, weil ich denke, dass beide Mannschaften das Potenzial haben ins Halbfinale zu kommen. Das wird ein heißer Tanz.“ Ganz rund lief es im Vorfeld der DM aber nicht – obwohl alle Spieler zum nationalen Saisonhöhepunkt fit sind. „Da die DM in diesem Jahr erst so spät stattfindet war es schwierig, sich vorzubereiten. Viele waren im Urlaub oder bei der Weltmeisterschaft in Winterthur. Am vergangenen Wochenende wurde aber noch einmal ein Training eingelegt“, berichtet Schlattinger. Er und seine Teamkollegen können sich bei der DM derweil auf eine „orangene Wand“ aus TSV-Fans verlassen. „Wir fahren mit einem Fanbus – einmal quer durch Deutschland – nach Kellinghusen“, sagt der Schweizer. „50 Fans werden uns auf der etwa zehnstündigen Fahrt begleiten.“

VfK Berlin (1. Nord)

Ohne Niederlage ist der VfK durch die Bundesliga-Saison marschiert, hat sich zum achten Mal in Folge die Nordmeisterschaft gesichert und auch beim Europacup den Sprung ins Finale geschafft. „Die Ergebnisse der Bundesliga-Saison waren natürlich sehr zufriedenstellend, die Leistung dagegen nur vereinzelt“, sagt Angreifer Lukas Schubert. Erst im Halbfinale und Finale des Europacups in Pfungstadt habe die Mannschaft dann den „Schalter für Topleistungen“ gefunden. „Schade war, dass wir im Anschluss knapp sieben Wochen keine Spiele mehr hatten, um diese Form zu konservieren.“ Stattdessen wurden nach der Silbermedaille auf europäischer Ebene ein paar trainingsfreie Wochen eingeschoben. „Die Möglichkeit, während des Sommers mal in den Urlaub zu fahren, hatten wir in den letzten 15 Jahren relativ selten und das haben die meisten ausgenutzt“, sagt Schubert. In den letzten drei Wochen wurde dann wieder trainiert. „Dabei haben wir aber traditionell keine andere Herangehensweise als vor oder während der Saison gehabt.“
Gegner im Halbfinale wird der Sieger aus der Partie zwischen Schweinfurt-Oberndorf und Kellinghusen. „Beide Mannschaften kennen wir ganz gut. Schweinfurt von vielen gemeinsamen Meisterschaften und Kellinghusen aus der Liga“, so Schubert. Beim VfL sei abzuwarten, in welcher personellen und spielerischen Verfassung er auftreten wird. Mit der Leistung aus der Liga, so Schubert, „werden sie gegen Schweinfurt wohl keine Chancen haben.“ Den TVO erwartet der Nationalangreifer dagegen in Bestform. „Am Ende wird es für uns entscheidend sein, dass wir sofort im ersten Satz wieder in die Spur finden. Das sollte nach der langen Pause jedoch schwer genug sein.“ Dennoch ist das ausgegebene Ziel, mindestens einen Sieg am Wochenende einzufahren. Schubert: „Durch die überraschend tolle Leistung beim Europacup und der weniger intensiven Vorbereitung durch die spiel- und trainingsfreie Zeit, können wir das Wochenende aber mit einer gewissen Lockerheit angehen und schauen was für uns möglich ist.“

TSV Hagen 1860 (2. Nord)

27 Jahre in der 1. Feld-Bundesliga, zehn Deutsche Meistertitel: Der TSV Hagen 1860 ist eine Über-Mannschaft im deutschen Faustballsport. Doch nach dem letzten Titel im Jahr 2001 wurde es ruhig um den Verein in Westfalen. 18 Jahre sind ins Land gezogen – doch jetzt greifen die Sechziger wieder bei nationalen Feld-Titelkämpfen an. „Natürlich haben wir uns sehr über die Quali gefreut“, sagt Ole Schachtsiek, Sohn von Jahrhundertfaustballer Dirk Schachtsiek, der 2001 noch zur Meistermannschaft gehörte. „Für ein Teil unseres Teams war in dieser Saison bereits der siebte Anlauf, sich für die DM zu qualifizieren. Da sind wir jetzt auch ein Stück weit erleichtert, es nun endlich geschafft zu haben.“ Einen Teil zum Aufschwung beigetragen haben dabei auch die Neuzugänge Kevin Schmalbach und Philip Hofmann, die in den vergangenen Jahren mit dem TV Voerde bei den Deutschen Meisterschaften mitmischten. „Die beiden geben uns noch einmla ganz neue Möglichkeiten. Unsere große Stärke ist unser großer Kader mit großer Flexibilität.“
Im Quali-Spiel müssen die Westfalen gegen den TSV Calw antreten, der im vergangenen Jahr Bronze gewann. „Sie haben durch den Sieg beim European Cup gezeigt, dass sie eine ganz starke Mannschaft sind. Wir gehen eher als Außenseiter in die Partie“, sagt Ole Schachtsiek. TSV-Angreifer Raphael Schlattinger beobachteten die Sechziger derweil bei der WM in Winterthur. „Ein Großteil der Mannschaft war vor Ort, ansonsten helfen die Videos aus dem letzte Jahr. Aber eine echte Analyse ist nicht möglich“, gesteht der Hagener Abwehrspieler. Vorbereitet hat sich sein Team – nach einer zweiwöchigen Pause – mit zwei Kurztrainingslagern. „Ansonsten haben wir unser Mannschaftstraining sehr regelmäßig abgehalten. Da hilft uns unser Zehn-Mann-Kader. Wir können eigentlich jedes Mal zwei Teams auf Bundesliga-Niveau gegeneinder spielen lassen, ohne andere Teams einzuladen“, erklärt Schachtsiek. Als Neuling hat man sich als Ziel gesetzt, am Wochenende „drei Spiele zu spielen“. Ole Schachtsiek: „Gegen Calw haben wir an einem optimalen Tag sicherlich eine Chance. Und der Blick auf ein mögliches Halbfinale gegen Pfungstadt ist sicherlich auch eine echte Zusatzmotivation.“ Trainiert wird die Mannschaft, neben Dirk Schachtsiek, übrigens auch von Holger Bock und Andreas Schmitz. Alle drei wurden bei der letzten Feld-DM-Teilnahme 2001 übrigens Deutscher Meister. Wenn das kein gutes Omen ist…

VfL Kellinghusen (3. Nord)

Es war eine Saison zum Vergessen für die Faustballer vom VfL Kellinghusen. Mit gerade einmal einem Sieg in der Hinrunde startete der DM-Gastgeber, steckte zu Beginn der zweiten Saisonhälfte als Tabellenschlusslicht ganz tief drin im Abstiegskampf. Oftmals fehlten Führungsspieler, der Kampf um jeden Ball – der die VfL-Akteure in den Spielzeiten zuvor immer ausgezeichnet hatte – fehlte. Doch mit drei Siegen in den drei Rückrundenspiele kämpfte sich die Mannschaft von Bernd Schneider mit Platz sechs doch noch über den Strich und wird auch in der kommenden Spielzeit im Oberhaus aufschlagen. Doch, dem Ausrichterfreiplatz sei dank, wird der VfL Kellinghusen an diesem Wochenende zum ersten Mal seit 1982 wieder bei einer Deutschen Meisterschaft aufschlagen.
Somit gehen die Störstädter als krasser Außenseiter in ihr Qualifikationsspiel gegen den TV Schweinfurt-Oberndorf. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung das DM-Halbfinale zu erreichen, uns dabei bestmöglich zu präsentieren, befreit aufzuspielen und den Zuschauern gute Spiele zu bieten“, heißt das optimistische Ziel der Gastgeber. Immerhin: Der Kader ist mit Blick auf die nationalen Titelkämpfe wieder komplett, bereitete sich beim Turnier in Jona vor. Ein Vorteil könnte zudem sein, dass nahezu niemand die Schleswig-Holsteiner auf der Rechnung hat. „Uns zeichnet als Team aus, dass wir immer für eine Überraschung gut sind“, heißt es deshalb auch von den Spielern. „Wir sehen uns selbst eher als Turniermannschaft.“ Und vielleicht gibt auch das heimische Publikum den nötigen Rückenwind. „Wir freuen uns auf zahlreiche Zuschauer. Allen die kommen, wollen wir ein Event bieten, das seinesgleichen sucht und das die Begeisterung und die Bekanntheit für Faustball in Schleswig-Holstein auf eine neue Ebene hebt.“

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